Seit vielen Jahren zieht mich das Basler Tattoo in seinen Bann. Diese Präzision, diese Formationen, die wie ein einziges grosses Uhrwerk marschieren und musizieren.  Schon lange schwirrte deshalb ein Gedanke in meinem Hinterkopf herum: Einmal das Royal Military Tattoo in Edinburgh erleben. Als ich zufällig erfuhr, dass Simone denselben Plan hatte, war klar: go for it! Tickets gebucht, Vorfreude gross – bis wir die Übernachtungspreise in Edinburgh während des Tattoos sahen. Für ein fensterloses Mini-Zimmer wurde bereits eine Summe verlangt, bei der man kurz tief durchatmen musste. Nach etwas Recherche fand ich den Meadowhead Mortonhall Caravan & Camping Park etwas ausserhalb von Edinburgh. Dort gibt es kleine Wigwams – gemütliche Holzhüttchen mit Bett, Tisch, Mikrowelle, Kühlschrank, Strom und Heizung. Und das zu einem Preis, der uns so sehr freute, dass wir gleich noch einen Mietwagen dazubuchten. Die direkte Busverbindung in die Innenstadt von Edinburgh ist ca. 30 Minuten.

Freitag 22. August 2025
Da mir kaum Ferientage zur Verfügung standen, ging es früh los: Abflug Zürich um 06:30 Uhr, Landung in Edinburgh bereits um 07:45 Uhr. Die Übernahme vom Mietwagen ging schnell, und ich fand mich erstaunlich schnell wieder im Linksverkehr zurecht. 

Ein paar Ideen hatten wir bereits gesammelt: Scottish Seabird Centre, Tantallon Castle, Dunbar. Mit Google Maps steuerten wir das erste Ziel an – und ab da liessen wir uns treiben.
Schon beim Seabird Centre lockte der erste Strand mit Blick aufs Meer und kleine vorgelagerte Inseln. Das Centre selbst besichtigten wir nicht und fuhren weiter zu den Klippen von Canty Bay und dem beeindruckenden Tantallon Castle. Pünktlich zur Besichtigung zeigte sich sogar die Sonne. Weitere spontane Abzweigungen führten uns zur Seacliff Beach nahe dem Auldhame Castle, einem traumhaften Strandabschnitt, und später nach Dunbar. Dort entdeckten wir im Hafen kleine Foodstände, die uns mit überraschend feinem Essen verwöhnten.
Google Maps schickte uns weiter zum Thorntonloch und schliesslich zum Cove Harbour – ein winziger Hafen in einer spektakulären Küstenlandschaft. 

Am Abend bezogen wir unser Holzhäuschen. Der Campingplatz war top gepflegt, die Sanitäranlagen modern, die Atmosphäre ruhig und angenehm. Ein kleiner Supermarkt bot alles Nötige zu fairen Preisen. Da das Campingrestaurant voll war, wichen wir auf ein Lokal in der Umgebung aus.

Samstag 23. August 2025
Schon bei der Planung hatte ich entdeckt, dass es nahe Edinburgh einen Hügel gibt, auf dem man im Sommer rodeln und sogar skifahren kann – nicht auf Schnee, sondern auf einem teppichartigen Belag. Vom Campingplatz aus war der Hügel sogar sichtbar. Also überredete ich Simone zu einem Sommer-Skiabenteuer. Für rund 16 Franken gab es Ausrüstung und eine Stunde Pistenzeit. Die Mitarbeitenden rieten uns, erst den unteren Teil zu testen – und ja, es fühlte sich schräg an. Aber es funktionierte! Bald wagten wir uns mit dem Tellerlift weiter hinauf und hatten unglaublich viel Spass auf dieser ungewöhnlichen Teppichpiste.

Nach einer kurzen Pause im Wigwam ging es in die Innenstadt. Neben dem Tattoo fand gleichzeitig das Fringe Festival statt – und Edinburgh war rappelvoll. Sich durch die Menschenmassen zu bewegen, war eine Herausforderung. Wir entschieden uns für eine Hop-on-Hop-off-Bustour, um etwas Abstand vom Trubel zu gewinnen. Später genossen wir ein fantastisches Abendessen im „Casserole Wang Hot Pot“ – das Suppenbowl-Konzept überzeugte mich sehr.

Dann hiess es anstehen. Eine lange Schlange führte zum Edinburgh Castle, doch sie bewegte sich erstaunlich zügig. Wir konnten sogar einige Fotos mit Teilnehmern vom Tattoo machen. Das Wetter blieb mild – keine Spur vom gefürchteten schottischen Regen. Die Show war beeindruckend, besonders die Lichteffekte gefielen mir sehr. Und dieses Jahr war eine besondere Ausgabe: 75 Jahre Royal Military Tattoo. Und doch: Im Vergleich zum Basler Tattoo fehlte mir etwas. Der Platz in Edinburgh ist grösser, die Formationen wirken dadurch weniger imposant. Zudem ist das Royal Military Tattoo traditioneller gehalten, während Basel kreativer und vielfältiger auftritt. Trotzdem war es ein wunderschöner Anlass – und ein Erlebnis, das ich nicht missen möchte.

Sonntag 24. August 2025
Der nächste Tag war ganz nach meinem Geschmack. Ich konnte Simone von einer Kanutour überzeugen, die ich vorab entdeckt hatte. Der Anbieter „Bigger Adventure“ bietet geführte Kanadier-Touren auf dem gemütlichen Fluss Tweed an – von Peebles bis Innerleithen. Unser Guide Craig begrüsste uns herzlich, und mit uns startete eine bunt gemischte Gruppe. Die Tour führte durch eine typisch schottische Landschaft: sanfte Hügel, grüne Ufer, ruhiges Wasser – und ab und zu zeigte sich sogar die Sonne. Kleine Stromschnellen sorgten für etwas Nervenkitzel, aber wir meisterten alles souverän.

Nach der Tour führte uns Google Maps weiter zu Abbotsford, dem ehemaligen Wohnsitz von Sir Walter Scott, und zur eindrucksvollen Melrose Abbey. Den Abend liessen wir am Portobello Beach ausklingen – mit einem feinen Essen und einem gemütlichen Strandspaziergang.

Montag 25. August 2025
Am nächsten Tag fuhren wir nordwärts und besichtigten zuerst das Aberdour Castle. Danach wurde die Suche nach Highlights etwas schwieriger – einige Ziele entpuppten sich als weniger spektakulär als erhofft. Das Newark Castle ist zwar nur noch eine Ruine, aber der Küstenabschnitt dort ist wunderschön und definitiv einen Stopp wert. Wir fuhren weiter bis St. Andrews, bevor wir wieder Richtung Edinburgh abbogen. Kurz vor dem Flughafen machten wir noch einen Halt bei den imposanten Forth Bridges – vier Brücken, die sich eindrucksvoll über den Firth of Forth spannen.

Nach über 550 gefahrenen Kilometern gaben wir unseren Mietwagen zurück und flogen müde, aber zufrieden nach Zürich zurück. Der Rückflug um 19:40 Uhr erlaubte uns, auch am Montag noch das Maximum aus unserer Reise herauszuholen.