Eigentlich hatte ich beim Kanutouren-Anbieter Trango für 2026 analog dem letzten Jahr eine Woche Kanuferien auf dem Tagliamento in Italien gebucht – einer der noch weitgehend unverbauten Flüsse in Norditalien. Doch der Wettergott hatte andere Pläne: Niedrigwasser machte das Befahren vom Tagliamento fast unmöglich, und für unsere Ferienwoche waren gleich mehrere Unwetter angekündigt. Keine sehr ideale Voraussetzungen für unsere geplanten Ferien! So entschieden wir uns sehr kurzfristig und vernünftigerweise, dem Wetter hinterherzureisen – und landeten beim Allier in Frankreich, wo fast die ganze Woche gutes prognostiziert war.

Der Allier gehört zu den wenigen Flüssen in Frankreich, die noch weitgehend frei fliessen. Er schlängelt sich ohne grosse Verbauungen durch die Auvergne und bietet eine überraschend ursprüngliche Landschaft. Wer hier paddelt, erlebt ruhige Flussabschnitte, breite Kiesbänke und eine Natur, die wenig von der typischen touristischen Nutzung geprägt ist.

Neben Dominik, dem Inhaber von Trango, schlossen sich uns drei weitere Paddler aus Norddeutschland an. Am Montag, 3. Mai, machten wir uns auf den Weg nach Frankreich und erreichten am Abend unser erstes Ziel: den Campingplatz Deneuvre in Châtel‑de‑Neuvre. Ein kleiner, herziger Camping direkt am Fluss, geführt von sehr freundlichen Inhabern.

Nach einem Gross-Einkauf (für die ganze Woche) zauberte uns Dominik ein leckeres Abendessen auf dem Gas-Kocher, und schon bald krochen wir zufrieden in unsere Zelte. Der Fluss rauschte leise im Hintergrund, und die Vorfreude auf die kommenden Tage war riesig.

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Nach dem Frühstück ging es ans Boote aufbauen und beladen. Schon bald glitten wir gemütlich den Allier hinunter. Der erste Abschnitt liegt in einem Naturschutzgebiet, daher war wildes Campieren noch nicht erlaubt. Also genau genommen… wildes campieren ist eigentlich gar nirgends erlaubt am Allier, aber lass dich nicht erwischen 🙂 Nach etwa 17 Kilometern – rund 100 Meter vor dem zweiten Strommast – endete das Schutzgebiet, und wir fanden eine wunderschöne Kiesbank für die Nacht.

Ein Gewitter zog zum Glück knapp an uns vorbei und wir liessen es uns am Lagerfeuer gut gehen.

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Am nächsten Tag passierten wir Moulins. Unter der Eisenbahnbrücke befindet sich ein Brückenwehr, das wir nach kurzer Besichtigung problemlos durch den rechten Bogen befahren konnten. Gleich danach gings auf der linken Fluss-Seite beim Intermarché zum Einkauf, bevor es nach einer Zmittagspause am Flussufer weiterging mit Kanufahren.

Ferien auf dem Fluss haben ihren eigenen Takt – Paddeln verlangsamt vieles: Man plant weniger, orientiert sich stärker am Verlauf des Flusses und lässt sich auf das ein, was gerade kommt. Gleichzeitig bleibt eine gewisse Aufmerksamkeit nötig – man liest den Fluss, sucht geeignete Plätze zum Übernachten, sucht Brennholz, kocht und organisiert sich mit dem, was man dabeihat. Gerade diese Kombination aus Einfachheit und einer leichten Portion Abenteuer finde ich an Kanuferien wahnsinnig toll!

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Fast die ganze Woche begegneten wir weder Häusern noch Menschen. Es fühlte sich an, als hätten wir den Fluss ganz für uns allein.Wir sahen Wildgänse, Rehe, Füchse, Störche in ihren Nestern und unzählige andere Vogelarten.  Und die sandigen Ufer verliehen dem Allier ein besonderes Flair. Mit jedem Tag wurde es wärmer, und abends gönnten wir uns kleine Badepausen. Das Wasser war zwar frisch, aber um sich eine kurze Strecke mit der Schwimmweste im Fluss treiben zu lassen, reichte es allemal. Mit dem Kanufahren, Zelt auf- und abbauen, Holz sammeln, Feuer machen, kochen und Geschirr im Fluss abwaschen kehrte schnell eine gemütliche Routine ein und wir genossen die ruhige Zeit auf dem Allier.


Nach einigen Tagen näherten wir uns unserem Endziel: Apremont‑sur‑Allier, ein herziges Dorf mit einem eindrucksvollen botanischen Garten. Die letzten Kilometer paddelten wir mit einem Hauch Wehmut – wir wären alle gerne noch länger geblieben.

Während Dominik das Auto holte, reinigten wir die Boote, stiessen mit einem Cocktail auf die gelungene Woche an und schlenderten durch den wunderschönen Garten von Apremont. Danach ging es zurück zum Camping Deneuvre für die letzte Nacht, bevor wir am Sonntag die Heimreise antraten.

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Insgesamt paddelten wir 75 Kilometer den Allier hinunter – bis auf den etwas kürzeren letzten Tag jeweils rund 17 Kilometer pro Tag. Unsere Ferien haben wir mit einem eher niedrigen Pegel vom Allier gestartet – der Pegel bei Moulins zeigte 52m3/s an. Unsere gefahrene Strecke von Châtel‑de‑Neuvre bis Apremont‑sur‑Allier ist bis auf das Brückenwehr bei Moulins absolut ohne Hindernisse und Schwierigkeiten fahrbar gewesen und hatte immer eine leichte Strömung, die das Paddeln angenehm machten. Es war eine Woche voller Natur, Ruhe, Abenteuer und Gemeinschaft. Diese Reise hat definitiv Lust auf noch mehr Kanuferien geweckt.